ADS und ADHS

Konzentrationsstörungen gelten als ein Leitsymptom für die Vergabe der Diagnosen ADS
-> Aufmerksamkeits-Defizit-Störung und ADHS -> Aufmerksamkeits-Defizit-Störung mit Hyperaktivität.

Hinzu kommen zwei weitere Leitsymptome: Hyperkativität und Impulsivität.

Ein Kind oder Jugendlicher erhält die Diagnose ADHS (nach ICD-10, Klassifikation psychischer Störungen der WHO), wenn mehrere Verhaltensweisen dieser drei Leitsymptome – Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität – zeigt. Die Ausprägung der Verhaltensweisen ist für das Entwicklungsalter unangemessen.

Unaufmerksamkeit:

  • Flüchtigkeitsfehler
  • Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrecht zu halten
  • Zuhören fällt schwer
  • Wechseln von einer Tätigkeit nur nächsten
  • Schwierigkeiten bei der Organisation von Aufgaben
  • Vermeidungsverhalten
  • Leichte Ablenkbarkeit
  • Vergesslichkeit
  • Unordnung
  • Verlieren von Sachen und Materialien

Überaktivität:

  • motorisch unruhig
  • rastlos
  • zunehmend innere Unruhe

Impulsivität:

  • Abwarten fällt schwer
  • Mit Antworten herausplatzen
  • Übermäßiges und lautes Reden
  • Ungeduld
  • Geringe Frustrationstoleranz
  • Neigung zu Wutausbrüchen
  • Unterbrechen und Stören anderer
  • Unbedachtes Verhalten
  • Respektlosigkeit
  • Ausrasten

Um die Diagnose ADHS vergeben zu können, sollten die problematischen Verhaltensweisen zu Hause, im Freizeitbereich und in der Schule zu beobachten sein. Probleme traten bereits vor dem Schuleintritt im Kindergartenalter auf und dauerten mindestens 6 Monate an.

Kinder mit ADHS-Symptomatik – wenn sie nicht trainiert werden – entwickeln sich meistens zu Jugendlichen, die große Schwierigkeiten in der Schule haben. Sie bleiben nicht nur in den Leistungen deutlich unter ihren intellektuellen Möglichkeiten, sie haben auch viele soziale Probleme. Bei den meisten ist die Interaktion mit ihren Lehrkräften stark belastet.

In Deutschland werden zahllose Kinder und Jugendliche medikamentös behandelt. Manche bekommen seit der Grundschule durchgehend Psychostimulanzien, obwohl für die Medikation vor allem kurzfristige positive Effekte, nicht aber Langzeitwirkungen nachgewiesen sind. Es wird empfohlen, die Vergabe von Stimulanzien nur in Kombination mit einer Verhaltenstherapie bzw. einem Aufmerksamkeitstraining zu verordnen. Tatsächlich bekommt nur ein Bruchteil der Betroffenen eine kombinierte Behandlung. Die meisten erhalten lediglich das Medikament.

Besteht eine deutliche Aufmerksamkeitsproblematik, aber keine Hyperaktiviät und/oder Impulivität, so spricht man von einer Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktiviät (ADS). Hier stehen das Trödeln, das geringe Durchhaltevermögen und die Organisationsprobleme im Vordergrund. Schüler mit einer reinen ADS-Problematik bleiben ebenfalls deutlich unter ihren Möglichkeiten. Weil sie ruhiger sind, werden sie als insgesamt unauffälliger erlebt und entwickeln weniger soziale Probleme.